Warenzustellung 2017 – Logistik im stetigen Wandel

Dank einer durch perfekte Logistik optimierten Warenzustellung haben Geschäfte gefüllte Auslagen, liegt mittags die Post im Briefkasten und steht der Zusteller mit dem Paket mit den Lieblingsschuhen am frühen Abend vor der Haustür. Heutzutage selbstverständliche Dinge, obschon dahinter ganze Transportketten stehen, die eine pünktliche Warenzustellung über verschiedene Transportwege wie Wasser, Land, Schiene und Luft möglich machen.

Am Dienstag hängt die Flugmango noch nichtsahnend am Baum in Indien, um am Donnerstag schon im deutschen Supermarkt feilgeboten zu werden. Der internationale Versand wird in der Regel im Zeitraum von zwei Tagen bewerkstelligt. Innerhalb Deutschlands erreichen die meisten Waren heutzutage ihr Ziel bereits am Folgetag – und auch Expresszustellung innerhalb des gleichen Werktages ist in vielen Bereichen möglich.

Logistik wird immer komplizierter, weil die Anforderungen wachsen: Einerseits muss von der Auftragsannahme über Kommissionierung bis hin zum Warenumschlag die Anlieferung der Ware in kürzester Zeit erfolgen. Andererseits stehen dem Kapazitätsengpässe und überfüllte Verkehrswege entgegen.

Bahn vs. LKW – wo liegen die Vorteile?

Der Schienenverkehr stagniert in den letzten Jahren: Mit der Bahn können große Gütermengen von A nach B transportiert werden, allerdings ist auch mehr Umschlag notwendig, da die wenigsten Unternehmen direkt an das Schienennetz angeschlossen sind. Das Schienennetz ist überlastet und die Bahn kann Fristen daher teilweise nicht einhalten. Dies wiederum hat dazu geführt, dass viele Züge nicht mehr ausgelastet sind. Für den Transport von Schüttgütern ist die Bahn – wie übrigens auch das Binnenschiff – unverzichtbar, da große Mengen kostengünstig transportiert werden können. So ist in fast allen europäischen Staaten weiterhin das Ziel, mehr Güter auf die Schiene zu bringen, auch aus umweltpolitischer Sicht.

Der LKW ist und bleibt zu Lande das Transportmittel Nummer 1, garantiert er doch höchste Flexibilität, ist nicht an Fahrpläne gebunden und kann die Ware direkt am Zielort anliefern. Was aber ist zu tun, um den Transport per LKW umweltfreundlicher zu gestalten? Für den Nahverkehr ist in erster Linie der Elektro LKW zu nennen: Mit Sicherheit wird es in Zukunft immer mehr emissionsfreie urbane Regionen geben, so dass „herkömmliche LKWs“ schlicht nicht mehr in den Städten verkehren dürfen. Noch sind Elektro LKWs in der Anschaffung und wegen der hohen Batteriestromkosten allerdings wenig wirtschaftlich.

Paketbote mit Paket

Warenzustellung althergebracht © istock/Yuri_Arcurs

Im Fernverkehr könnten Lang LKWs eine Alternative werden, da sie erhebliche Mehrkapazitäten bieten. Ob die Gigaliner allerdings eine wirkliche Alternative werden, ist mehr als umstritten; selbst etliche Logistikunternehmen sind vom Nutzen der Riesen im Straßenverkehr nicht überzeugt. Zusätzlich dürfen Lang LKWs nur auf ausgewählten Strecken verkehren, was ihre Einsatzmöglichkeiten erheblich einschränkt.

Warenzustellung für den Verbraucher

Für den Endkunden haben sich Einkaufs-Gewohnheiten in den letzten 20 Jahren stark verändert. Das traditionelle „Shopping-Gehen“ hat sich auf die Wohnzimmer der Republik verlagert, man bestellt online und lässt sich die Ware bequem anliefern. Dennoch gehen die Menschen aus dem Haus, besuchen ihre Einkaufsmeile und vergleichen die Produkte im Geschäft – um den Kauf dann häufig daheim zu tätigen. Diesem Trend tragen viele Händler Rechnung, indem der stationäre Handel immer mehr mit dem Online-Handel verschmilzt. Es entstehen sogenannte Multikanalhändler, die neben dem Ladenverkauf viele Waren über den Online-Handel anbieten. Sämtliche großen Discounter betreiben inzwischen dieses Geschäftsmodell.

Übrigens: Same Day Delivery, also die Belieferung am selben Tag, wurde schon vor Jahren als ein großes Thema gehandelt. Der Trend ist nicht in dem Maße eingetreten wie prognostiziert. Einerseits liegt das daran, dass viele Unternehmen das entsprechende Logistiknetz nicht haben und die Produktverfügbarkeit nicht garantieren können, andererseits ist die Nachfrage nach dem Service schlicht nicht ausreichend: Die Deutschen sind nur zu einer kleinen Minderheit bereit, viel Geld für die Warenzustellung zu bezahlen, und nehmen stattdessen eher Wartezeiten von ein bis drei Tagen in Kauf.

Neue Varianten der Warenzustellung

Um dem Kunden entgegen zu kommen, werden immer wieder neue Varianten der Zustellung getestet, welche sich letztendlich durchsetzen oder nur ein vorübergehendes Phänomen in der Warenzustellung bleiben, wird sich noch zeigen:

  • Drohnen I: Schon lange ein Thema, beliefert Amazon in England nun drei Testkunden per Drohne auf dem Land. Benötigt wird allerdings eine spezielle Landefläche, daher wird sich diese Form der Warenzustellung wohl auch zukünftig eher auf entlegene Regionen, in denen eine Belieferung mit dem LKW unwirtschaftlich ist, beschränken.
  • Drohnen II: DHL hat mit speziellen Paketstationen getestet, die Drohnen automatisch be- und entladen können. Vorteil: schnelle Zustellung, Nachteil: wenig Transportvolumen.
  • Lieferroboter: In einem Pilotprojekt testete Mediamarkt die Roboter in Düsseldorf, in Hamburg das Logistikunternehmen Hermes. Die Lieferroboter fahren selbstständig im Schritttempo zum Kunden und senden diesem eine Mitteilung auf sein Smartphone, wenn sie zum Wunschtermin an der Haustür angekommen sind. Der Kunde kann dann mittels eines Codes den Roboter öffnen und die Ware entnehmen. Laut Hermes soll die Testphase ausgedehnt werden.
  • Autokofferraum:  In Berlin testet DHL in Kooperation mit Volkswagen die Paketzustellung in den Kofferraum. Auch mit Smart gab es bereits einen Testlauf: Kunden gaben dem Paketboten den Standort ihres Wagens über eine spezielle App an und dieser konnte das Paket dann in den Autokofferraum zustellen.

Dass einem zukünftig alle paar Meter ein Lieferroboter entgegenkommt oder ständig eine Drohne über dem Kopf herumschwirrt, ist eher unwahrscheinlich. Die Warenzustellung wird aber mit Sicherheit noch manche verblüffende Variante hervorbringen, um den gewachsenen Wünschen und Ansprüchen der Verbraucher gerecht zu werden und sich im Wettbewerb der Logistik behaupten zu können.

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